Chasselas (wieder) entdeckt

Wer einen Wein zum einkellern, bzw. lagern, kauft, der landet höchstwahrscheinlich nicht beim Chasselas. Denn Chasselas, die wichtigste weisse Rebsorte der Schweiz, wird hierzulande oft und gern als frischer Weisswein zum Aperitif getrunken.

 

Die meisten Weine aus Chasselas – in anderen Ländern als Gutedel bekannt – sind mild, eher neutral, nicht allzu säurebetont und werden häufig innerhalb der ersten zwei, drei Jahre nach der Ernte genossen. Daher weiss kaum jemand, dass die oft unterschätzte Sorte ein beachtliches Reifepotenzial besitzt.

 

Ich gebe zu, auch wir hatten bislang den Genuss eines gelagerten Chasselas nicht auf dem Radar. Es liegen sogar ein paar alte Jahrgänge bei uns im Keller, die ich bis vor Kurzem nicht mal mehr zum Kochen verwendet hätte…

 

Nun, man lernt ja nie aus – und deshalb durften wir uns kürzlich in einem Weinseminar eines Besseren belehren lassen. Im Rahmen der 2. Wiler Weinstrasse, einer Degustation mit über 50 Weinproduzenten unter freiem Himmel in der Wiler Altstadt, fand auch eine Masterclass zum Thema „Waadtland“ statt. Und diese stellte sich als grossartige Gelegenheit heraus, gereifte Chasselas aus dem ganzen Waadtland kennenzulernen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zu diesem Zweck hatte Referent Alexandre Centeleghe vom Office des Vins Vaudois im Vorfeld verschiedene Waadtländer Weinproduzenten besucht und deren private Schätze von alten Chasselas geplündert:

 

 

 

 

Der erste Wein in der Degustation war ein Mont sur Rolle 1er Grand cru, Château de Châtagneréaz, La Côte AOC. Im Vergleich standen sich ein Jahrgang 2016 und ein Jahrgang 1998 gegenüber. Also 2-jährig und 20-jährig! Erstaunlich und überraschend war, wie frisch der 20-jährige Chasselas geblieben war.

 

 

 

 

In der Farbe zwar golden und im Bouquet buttrig, am Gaumen aber dennoch energetisch und frisch! Und einmal mehr beobachteten wir am Tisch erstaunte Blicke anlässlich des Drehverschlusses. Quod erat demonstrandum: Dieser ist perfekt geeignet für die Alterung von Weissweinen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dass ein Chasselas mit einer perfekten Alterung sein Aromaprofil überraschend verändern kann, zeigte auch ein Wein aus der renommiertesten Lage in der Waadt: ein Grand Cru Dézaley. Hier degustierten wir den „Clos des Moines“ der Domaine de la Ville de Lausanne. Dem 2016er stand hier sogar ein Jahrgang 1982 (!) gegenüber. Nie hätte ich gedacht, dass ein Chasselas Aromen von dunkler Schokolade, gepaart mit angenehmen Kaffeenoten, entfalten könnte. Aber so war’s.

 

Auch bei den zwei weiteren Weinen aus Féchy und Yvorne zeigte sich der gleiche Effekt: Alt und Jung zeigten grundsätzlich den gleichen Charakter, trotz des Altersunterschieds. Die älteren Exemplare hatten ihr Aromaspektrum einfach mit den sogenannten Sekundär- und Tertiäraromen ergänzt: neben dunkler Schokolade und Tabak mit Honig, Karamell, reifen Früchten, getrockneter Aprikose, Zimt, mildem Curry und Haselnuss. Faszinierend!

 

Wer übrigens richtig in die Waadtländer Weinwelt eintauchen will, sollte sich nächstes Jahr unbedingt die Fête des Vignerons als Genussevent einplanen. Dieses Winzerfest findet nur einmal pro Generation in Vevey statt und verzeichnet jeweils mehrere hunderttausend Besucher! Alors à bientôt à Vevey!

 

 

 

Dank an KONTUR Kommunikationsdesign, St. Gallen für die Einladung zur Masterclass!

 

 

 

 

 

Weitere Impressionen zur 2. Wiler Weinstrasse 2018

 

 

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