Österreich hat den Dreh raus

Vorurteile halten sich bisweilen hartnäckig. Bei einem Gespräch unter Freunden durfte ich kürzlich wieder mal Aufklärungsarbeit in Sachen Drehverschluss leisten. „Stell dir vor“, sagte ein guter Freund zu mir, „da hat mir doch ein Kunde einen billigen „Deckeliwein“ aus Österreich geschenkt – der hat überhaupt nicht geschmeckt!" Hm, dachte ich mir, könnte es allenfalls sein, dass da gewisse Vorurteile gespielt haben und besagter Zweigelt eventuell gar nicht so schlecht war?

 

 

Zugegeben, das Zeremoniell des Flaschen-entkorkens ist wunderbar. Das Eindrehen der Spirale in einen weichen, angenehm duftenden Naturkork, das langsame Ziehen und die Vorfreude auf den ersten Eindruck des Weins beim Riechen am Kork... Toll! Zudem handelt es sich bei Kork um einen nachwachsenden, natürlichen Rohstoff. Nur hat der Naturkork halt den Nachteil, dass er anfällig ist auf Bakterien -  und mit Trichloranisol verseuchte Korken den Wein verderben. Wer einmal den dumpf-muffigen Korkfehler erschnüffelt und erschmeckt hat, vergisst nie wieder.

 

 

Deshalb suchen immer mehr Winzer nach Alternativen zum Kork – und schon einige haben ihr Glück beim Drehverschluss gefunden. Er minimiert das Risiko von Geschmacksfehlern, dichtet Weinflaschen vollkommen ab und ist praktisch in der Handhabung. Zudem reifen Weine unter dem Drehverschluss langsamer: Weissweine bleiben länger frisch und Rotweine reifen regelmässiger, d.h. mit weniger Flaschenunterschieden.

 

 

                                                                                                                                                                  ÖWM / Bernhard Schramm

 

 

Die Naturkork-Fraktion kann trotz all dieser Vorteile mit dem schnöden Drehverschluss nichts anfangen. Sie hängen am Zeremoniell und behaupten nach wie vor, nur minderwertiger Wein werde mit Schraubverschluss abgefüllt. Wie gesagt, Vorurteile halten sich hartnäckig! Dass Vorurteile trotz alldem nicht irreversibel sind, zeigt das Weinland Österreich. Blicken wir zu unseren österreichischen Nachbarn fällt schnell auf, dass diese in Sachen alternative Weinverschlüsse ca. zehn Jahre weiter sind als die traditionellen Weinländer, wie Frankreich, Italien oder Spanien.

 

 

 

 

Österreich hat beim Schraubverschluss ganz klar eine Vorreiterrolle in Europa. Der Schraubverschluss hat sich dort durchgesetzt, vor allem Weissweine findet man kaum noch mit Naturkorken. Auch Rotweine,
die jung und fruchtig genossen werden, sind heute häufig mit Schraubdeckeln verschlossen.

 

 

 

 

Etwas anders sieht es zugegebenermassen bei den höherpreisigen Rotweinen aus: Lagenweine 
und Erzeugnisse mit langem Reifepotential werden oft weiterhin mit Naturkork verschlossen. Und insbesondere diejenigen Weine, die für den Export bestimmt sind, gehen nach wie vor mit einem Korkzapfen auf die Reise.

 

Und so schliesst sich der Kreis: aus Rücksicht auf unseren trägen Hang zum Traditionellen und unsere Vorstellung, dass nur eine mit Kork verwahrte Weinflasche ein hochwertiges Produkt birgt, hält sich Österreich mit dem umfassenden Umbruch zurück. Beweisen wir also etwas Mut und geben wir beim nächsten Weinkauf den Drehverschluss-Weinen eine Chance. Der Sommer ist ja prädestiniert für den Genuss von fruchtbetonten und frischen Tropfen! 

 

 

Nachstehend findet ihr eine Auswahl an tollen Weinen - von österreichischen Produzenten, die den Dreh raushaben!

 

 


Weisswein

 

2016 Grüner Veltliner „Obere Steigen“, Markus Huber, Traisental DAC, CHF 15.90

2016 Sauvignon Blanc "Klassik", Peter Skoff, Südsteiermark, CHF 17.80

2015 Grüner Veltliner „Berg Vogelsang“, Weingut Bründlmayer, Kamptal DAC, CHF 19.80

 

 

Rotwein

 

2015 Zweigelt „Kieselstein“, Claus Preisinger, Burgenland, CHF 17.50

2014 Cuvée Carnuntum, Gerhard Markowitsch, Carnuntum, CHF 13.90

 

 

 

 

PS: Und ehrlich gesagt, hat das langsame Drehen doch auch was…oder?
Schreibt uns eure Meinung zum Thema oder eure Weinempfehlungen per Mail.
Wir freuen uns über euer Feedback!

 

 

 

 

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