Im Zeichen des Schützen - 16.5/20 Punkte

2011 "Il Signo Sagittarii"
Heribert Bayer, Mittelburgenland, Österreich

 

Heribert Bayer ist kein gewöhnlicher Winzer. Keiner, der jahrelang studiert und sich an einer Fachschule hat zum Weinbauern ausbilden lassen. Heribert Bayer ist Selfmade – Önologe, er hat sich sein Weinwissen selbst angeeignet.

 

Sein Erfolg gibt ihm Recht – und auch die Weingeschichte Österreichs hat das Ihrige zu diesem Erfolg beigetragen. 1985, das Jahr des Weinskandals in Österreich. In Folge davon zusammenbrechende Exportmärkte, mediale Verteufelung, Misstrauen in Konsumentenkreisen. Heribert Bayer nutzte die Gunst der „Un-Stunde“ und überzeugte befreundete Winzer, von nun an ausschliesslich auf qualitativ hochstehende Weinbereitung zu setzen. Es war quasi die Geburtsstunde des heutigen Erfolgs österreichischer Weine.

 

Bis 1992 war Heribert Bayer als Berater für andere Winzer tätig. 1994 kelterte er seinen ersten
eigenen Wein, den „In Signo Leonis“ - „Im Zeichen des Löwen“ - benannt nach seinem Sternzeichen. Damals war das ein reiner Pinot Noir aus der Gemeinde Mörbisch am Neusiedlersee.

 

Seine Weinheimat fand Heribert Bayer dann aber 1997 im Mittelburgenland, am Neckenmarkter Hochberg, einer Toplage des Blaufränkischlandes.                                                        © Österreich Wein Marketing GmbH / Armin Faber         

 

 

Von Anfang an arbeitet Heribert Bayer als Négociant Eleveur (négociant = Händler, éleveur = Bauer, Landwirt, Züchter). Das heisst er ist ein Weinproduzent, der keine eigenen Weingärten besitzt. Er kauft Trauben an, verarbeitet sie in seinem Keller weiter, füllt sie ab und vermarktet sie unter eigenem Namen. Sein Partner ist der Winzerkeller Neckenmarkt, eine Genossenschaft, die ihre Weingärten nach Bayers strengen Vorgaben bewirtschaftet. Rund 90 % von Bayers Trauben stammen vom Hochberg, der für viele Experten als eine der besten Rotweinlagen Österreichs gilt. Folglich wird seit 1997 der „In Signo Leonis“ als Cuvée aus Blaufränkisch, Cabernet Sauvignon und Zweigelt gekeltert. Dieser Wein macht Heribert Bayer weit über die Grenzen Österreichs hinaus bekannt.

 

 

 

Mit der Jahrtausendwende kommt auch für Heribert Bayer eine Neujustierung des Weinschaffens. Sohn Patrick tritt schrittweise die Nachfolge seines Vaters an.

 

Die Sicherung der Familientradition ist Voraussetzung für die Entstehung der eigenen, hochmodernen Kellerei in Neckenmarkt mit dem Namen „In Signo Leonis“. 

 

 

 

Heribert und Patrick Bayer 

 

 

2002 produziert Patrick Bayer seinen ersten „In Signo Sagittarii“ (Schütze, Patricks Sternzeichen), damals wie heute ein Blaufränkisch der Spitzenklasse. Ich überlege gerade, weshalb eigentlich auch beim „In Signo Sagittarii“ der Name des Vaters auf dem Etikett steht. Nirgends ein Hinweis auf Heriberts Sohn Patrick, der sich seit 2006 für die Geschicke des Familienunternehmens verantwortlich zeichnet. Die nationalen und internationalen Erfolge seien laut Website Resultat der erfolgreichen Zusammenarbeit von Vater und Sohn. Nur scheint der Vater seinen Einfluss nach wie vor deutlich wahrzunehmen.

 

 

Wie dem auch sei, der „Il Signo Sagittarii“ ist ein Wein aus 100 % Blaufränkisch-Trauben. Diese autochthone Rebsorte ist seit vielen Jahrhunderten vor allem im pannonischen Raum, zu dem auch das Burgenland gehört, beheimatet. Wir sind gespannt, denn die Vorschusslorbeeren für den Jahrgang 2011 sind hoch. Ausserdem ist der Wein international sehr gut bewertet und verspricht, aus Trauben mindestens 60-jähriger Rebanlagen gekeltert, einen Gaumenschmaus.

 

 

 

 

Also rein in die heutige Degustation. Gleich zu Beginn ist der lange, qualitativ hochstehende Naturkorken zu erwähnen. Da wurden ganz offensichtlich keine Kosten gescheut.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der 2011er „In Signo Sagittarii“ gefällt optisch durch ein glänzendes Rubingranat. In der Nase nehmen wir Aromen von Lakritze wahr, begleitet von einem würzigen Duft, ausserdem pflanzlich-vegetative Noten von Heu und Minze. Am Gaumen präsentiert sich dieser Rotwein mit mittlerem Körper, aber präsenter Säure. Im mittellangen Abgang entfalten sich fein verwobene Aromen von Lakritze, Minze und mildem Tabak, aber auch deutlich wahrnehmbare Bitterstoffe. Die Tanninstruktur erscheint uns überraschend fein, obwohl der Wein zwei Jahre in neuen Barriques ausgebaut worden war.

 

Nach dieser Degustation ist mir etwas klar geworden: damals, als wir noch Wein gehandelt und auch die Weine von Heribert Bayer verkauft haben, habe ich mich oft gefragt, weshalb die Bayer-Weine immer älter und gereifter waren als der Rest der österreichischen Spitzenweine. Bayer setzt das Barrique im Stil der französischen Burgunderwinzer ein und strebt eine lange Lagerfähigkeit an. Das Zurückbehalten von eigenen Premiumweinen auf dem Weingut ist möglich, da die Kellerei „In Signo Leonis“ 2004 durch eine Flaschenlagerhalle mit einer Kapazität von 450.000 Flaschen erweitert wurde. Das gibt den Bayers die Möglichkeit, die Premiumweine nach mehreren Jahren Flaschenreife den Kunden gereift anzubieten. Angesicht der Erkenntnisse aus unserer Degustation macht das Sinn.

 

 

 

 

 

Weinparkett-Punkte: 16.5/20

 

 

Fazit: Mit dem 2011er „In Signo Sagittarii“ ist Patrick Bayer ein guter Wein geglückt, der aktuellen Modeströmungen, wie überbordender Opulenz, bewusst entgegentritt. Den Blaufränkisch reinsortig auszubauen ist mutig und verdient Respekt. Allerdings gibt es unsererseits etwas Abzug bei der Preis-Leistungsbeurteilung, ist der Wein mit über 30 Euro ab Weingut, bzw. rund 37 Franken in der Schweiz doch relativ kostspielig. Ausserdem sind wir der Meinung, dass der Wein seine Bitterstoffe im Abgang wohl kaum ganz verlieren wird.

 

 

 

Erhältlich ab Weingut:

In Signo Leonis GmbH (Lieferungen nach Deutschland und Österreich)

 

 

In der Schweiz erhältlich bei:

Haus Österreich Weinimport GmbH
kitchen-bridge GmbH

 

 

Dank an die kitchen-bridge GmbH, die diese Verkostung unterstützt hat.

 

 

Eine zusätzliche Empfehlung unsererseits, und ein Restaurant, in dem man den 2011 „Il Signo Sagittarii“ neu ebenfalls geniessen kann, ist das Restaurant Landhaus in Rheineck SG. Nicht nur
der Wein ist dort ein Gaumenschmaus, auch die delikaten, ausnahmslos selbstgemachten Speisen
von Chefkoch Gino Kobi. Für das Gästewohl sorgt der aufmerksame und sympathische Service von Ramona Eigenmann. Guten Appetit und zum Wohl!


 

 

 

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